Ratgeber

Meilensteine der Sprachentwicklung

Kinder entwickeln Sprache in einem großen Spielraum. Diese Orientierungswerte helfen einzuordnen, was typisch ist, und zeigen, ab wann ein Gespräch in der Kinderarztpraxis sinnvoll ist.

Stand 2026-09-04 · fachlich geprüft von Wiebke Müller-Sturmhöfel

Erstes Lebensjahr

Babys hören von Geburt an genau hin, reagieren auf Stimmen und beginnen mit etwa sechs Monaten zu lallen („bababa“). Gegen Ende des ersten Jahres verstehen sie einfache Aufforderungen und Namen, zeigen auf Dinge und sagen oft erste Wörter wie „Mama“ oder „da“.

Mit zwei Jahren

Die meisten Kinder sprechen um den zweiten Geburtstag etwa 50 Wörter und beginnen, zwei Wörter zu verbinden („Papa weg“, „mehr Saft“). Sie verstehen deutlich mehr, als sie sagen. Spricht ein Kind mit 24 Monaten weniger als 50 Wörter und bildet keine Zweiwortsätze, spricht man von einem Late Talker. Mehr dazu im Artikel über Late Talker.

Mit drei Jahren

Der Wortschatz wächst rasant, Kinder bilden Sätze mit drei und mehr Wörtern, stellen Fragen und erzählen kleine Erlebnisse. Nicht alle Laute sitzen schon, „sch“, „r“ oder Konsonantenverbindungen wie „kr“ dürfen noch fehlen. Fremde sollten das Kind aber überwiegend verstehen.

Mit vier Jahren

Die Grammatik ist weitgehend da: Nebensätze, Vergangenheit, Mehrzahl. Die Aussprache ist bis auf einzelne Laute korrekt, häufig bleibt das „s“ noch ein Thema. Das Kind kann zusammenhängend erzählen und einfachen Geschichten folgen.

Wann nachfragen?

  • mit 12 Monaten kein Lallen, keine Reaktion auf die eigene Ansprache
  • mit 18 Monaten keine Wörter, kein Zeigen
  • mit 24 Monaten weniger als 50 Wörter, keine Zweiwortsätze
  • mit 3 Jahren für Fremde kaum verständlich, keine Sätze
  • mit 4 Jahren viele Laute falsch, Sätze stark verdreht, Stottern seit mehr als einigen Monaten
  • in jedem Alter: das Kind hört scheinbar schlecht oder reagiert nicht zuverlässig auf Ansprache

Ansprechpartner ist zuerst die Kinderarztpraxis, sie prüft das Hören und stellt bei Bedarf die Verordnung für Logopädie aus. Wer unsicher ist, kann uns auch direkt anrufen, wir beraten kurz und ehrlich.

Was Eltern im Alltag tun können

Viel und in ganzen Sätzen mit dem Kind sprechen, das Gesagte des Kindes aufgreifen und korrekt wiederholen statt zu korrigieren („Ja, der Hund läuft.“), gemeinsam Bilderbücher anschauen, Reime und Lieder. Bildschirme ersetzen kein Gespräch. Mehrsprachigkeit ist kein Risiko, jede Sprache sollte dem Kind aber von Menschen begegnen, die sie gut sprechen.